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Schwerlast-FTS bis 7 t: Wann sich fahrerlose Unterfahrfahrzeuge für schwere Lasten lohnen

Emm! EDDY mit Hexagon-Manufacturing-Intelligence-Beschriftung – fahrerloses Unterfahrfahrzeug in einer Werkhalle

Eine Messmaschine mit mehreren Tonnen, ein Werkzeug-Gestell, eine Baugruppe, die zwischen zwei Montagestationen wandert: In vielen Werken bewegen Hallenkran oder Stapler genau die Lasten, bei denen ein Fehler am meisten kostet. Fahrerlose Transportsysteme (FTS) gelten oft als Lösung für Kleinladungsträger und Paletten. Dabei können Unterfahrfahrzeuge heute auch schwere Lasten bis in den Bereich mehrerer Tonnen automatisch transportieren. In diesem Beitrag erfahren Sie, wann sich ein Schwerlast-FTS lohnt, worauf Sie bei der Planung achten sollten und wie Sie Ihr Projekt strukturiert angehen.

Was ist ein Schwerlast-FTS?

Von einem Schwerlast-FTS spricht man in der Praxis, wenn fahrerlose Fahrzeuge Lasten deutlich oberhalb typischer Palettengewichte bewegen, häufig im Bereich ab einer Tonne aufwärts. Eine feste Grenze gibt es nicht. Entscheidend ist, dass Fahrzeug, Antrieb, Sicherheitstechnik und Fahrweg auf das Gesamtgewicht aus Fahrzeug und Last ausgelegt sind.

Für schwere Lasten haben sich vor allem zwei Bauformen bewährt:

Das Unterfahrfahrzeug EDDY von Emm! wurde bereits mit Traglasten von 100 kg bis 7 t umgesetzt. Abmessungen, Traglast und Aufbau werden an Ihre Ladungsträger angepasst – etwa mit Rollenbahn, Förderband, Hubfunktion, Kettenförderer oder Roboterarm. Wenn Lasten gestapelt oder auf Regalplätzen abgelegt werden müssen, kommt der fahrerlose Stapler IGOR ins Spiel.

Wann sich ein Schwerlast-FTS lohnt

Ob sich die Automatisierung schwerer Transporte rechnet, hängt weniger vom Gewicht ab als vom Prozess. Die folgenden Situationen sprechen erfahrungsgemäß für einen genaueren Blick:

Wiederkehrende Transporte auf festen Relationen

Fährt eine schwere Last mehrmals pro Schicht dieselbe Strecke – etwa von der Montage zur Prüfung oder vom Wareneingang in die Fertigung –, binden Kran- oder Staplerfahrten jedes Mal Personal. Ein FTS übernimmt diese Fahrten planbar und rund um die Uhr, sofern Ladung und Prozess es zulassen.

Fließfertigung statt Standmontage

Besonders stark ist der Effekt, wenn das Fahrzeug selbst zum Montageplatz wird. Statt ein großes Produkt an einem festen Platz aufzubauen und mehrmals umzuheben, wandert es auf dem Fahrzeug von Station zu Station. Ein Beispiel: Bei Hexagon Manufacturing Intelligence in Wetzlar läuft die Fließfertigung von bis 7 t schweren Koordinatenmessmaschinen auf Emm!-Fahrzeugen. Die Maschinen werden direkt auf den Fahrzeugen montiert und fahren anschließend auf ihnen in den Kalibrierraum.

Kran als Engpass

Ein Hallenkran kann immer nur eine Last gleichzeitig bewegen. Wenn mehrere Stationen auf denselben Kran warten, entsteht ein Engpass, der sich durch zusätzliche Mitarbeitende kaum auflösen lässt. Fahrerlose Fahrzeuge arbeiten dagegen parallel und lassen sich bei steigendem Bedarf um weitere Fahrzeuge ergänzen.

Wertvolle oder empfindliche Güter

Je höher der Wert eines Bauteils, desto teurer ist jede Beschädigung beim Umsetzen. Ein FTS fährt reproduzierbar mit definierten Geschwindigkeiten und Beschleunigungen, und die Last muss zwischen den Stationen nicht mehr angehoben und umgesetzt werden.

Viele Stationen, flexibles Layout

Fördertechnik am Boden oder Schienensysteme sind bei schweren Lasten zwar robust, aber unflexibel. Frei navigierende Fahrzeuge brauchen keine Schienen. Ändert sich das Layout, werden Stationen und Wege in der Software angepasst, statt Fördertechnik umzubauen.

Unterfahr-FTS, Stapler oder Kran? Ein kurzer Vergleich

KriteriumUnterfahr-FTSFahrerloser StaplerHallenkran / manueller Stapler
Typische AufgabeHorizontaler Transport von Wagen, Gestellen, MontageträgernAufnehmen, Transportieren und Ablegen von Paletten und Gestellen, auch in der HöheHeben und Umsetzen nach Bedarf
PersonalbedarfKein Fahrer pro FahrtKein Fahrer pro FahrtBediener für jede Fahrt
Parallele TransporteMehrere Fahrzeuge gleichzeitigMehrere Fahrzeuge gleichzeitigBegrenzt durch Anzahl Krane/Stapler und Personal
Fließfertigung auf dem FahrzeugGut geeignetWeniger üblichNicht möglich
LayoutänderungAnpassung in der SoftwareAnpassung in der SoftwareKran ortsgebunden, Stapler flexibel

In vielen Werken ist die beste Lösung eine Kombination: Das FTS übernimmt die wiederkehrenden Transporte, Kran oder Stapler bleiben für Sonderfälle.

Worauf Sie bei der Planung achten sollten

Last und Lastaufnahme genau beschreiben

Für die Auslegung zählen nicht nur das Maximalgewicht, sondern auch Abmessungen, Schwerpunktlage, Auflagepunkte und mögliche Lastwechsel während der Montage. Wächst ein Produkt auf dem Fahrzeug von Station zu Station, ändert sich das Gewicht im Prozess. Halten Sie diese Werte möglichst früh fest – sie bestimmen Fahrwerk, Hubfunktion und Sicherheitsauslegung.

Boden und Fahrwege prüfen

Bei schweren Fahrzeugen rücken Tragfähigkeit und Ebenheit des Hallenbodens in den Fokus. Fugen, Rinnen, Schwellen und Steigungen sollten Sie vorab dokumentieren. Für die Ebenheit von Hallenböden wird in der Praxis häufig die DIN 18202 herangezogen; welche Toleranzen für Ihr Fahrzeug gelten, klären Sie am besten gemeinsam mit dem Hersteller. Prüfen Sie außerdem Fahrwegbreiten, Kurvenradien und Begegnungsverkehr.

Rangieren auf engem Raum

Große Lasten und enge Hallen vertragen sich nur, wenn das Fahrzeug präzise manövrieren kann. Die Emm!-Fahrzeuge nutzen ein patentiertes 360°-Radmodul, mit dem sie je nach Bedarf quer, diagonal oder auf der Stelle drehend fahren können. Navigiert wird standardmäßig per freier Lasernavigation (SLAM) – Schienen, Reflektoren oder Bodenmarkierungen sind dafür nicht nötig.

Sicherheit und CE-Kennzeichnung

Je höher die bewegte Masse, desto wichtiger sind Bremswege, Schutzfelder und eine saubere Abgrenzung von Personenwegen. Maßgebliche Norm für fahrerlose Flurförderzeuge ist die DIN EN ISO 3691-4. Rechtlich gilt heute die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG; ab dem 20. Januar 2027 wird sie durch die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 ersetzt. Hersteller verantworten Risikobeurteilung, Konformitätserklärung und Betriebsanleitung, Betreiber die Gefährdungsbeurteilung im eigenen Werk. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur AGV-Sicherheit nach ISO 3691-4.

Energie und Laden

Schwere Fahrzeuge brauchen ein Energiekonzept, das zum Schichtmodell passt. Emm! bietet dafür unter anderem eine induktive Ladeplatte, über die Fahrzeuge an definierten Positionen kontaktlos laden können. Klären Sie früh, wo im Ablauf Ladezeiten ohne Prozessunterbrechung möglich sind.

Leitsteuerung und IT-Anbindung

Ein Schwerlast-FTS ist nur so gut wie seine Einbindung in den Materialfluss. Die hauseigene Emm!-Leitsteuerung verteilt Fahraufträge, priorisiert sie und zeigt den Status in Echtzeit. Über eine API lässt sie sich an MES- und ERP-Systeme anbinden. Für die Kommunikation mit den Fahrzeugen setzt Emm! auf den offenen Standard VDA 5050 und jeweils dessen aktuellste Version. Die Version 3.0 wurde im März 2026 vom VDA freigegeben und bringt unter anderem ein Zonenkonzept sowie Funktionen für frei navigierende Fahrzeuge. Der Vorteil für Sie: Auch Fahrzeuge anderer Hersteller lassen sich mit einer gemeinsamen Leitsteuerung betreiben. Zusätzlich ermöglicht die Leitsteuerung einen Remote-Service, über den Emm! Störungen aus der Ferne analysieren kann.

Wirtschaftlichkeit: So gehen Sie die Rechnung an

Pauschale Preise für ein Schwerlast-FTS sind wenig aussagekräftig, weil Traglast, Abmessungen, Aufbau, Sicherheitstechnik und Software stark variieren. Sinnvoller ist eine Rechnung entlang Ihres Prozesses:

Eine ausführliche Übersicht der Kostenfaktoren finden Sie in unserem Beitrag Fahrerlose Transportsysteme: Preise, Kostenfaktoren & Wirtschaftlichkeit. Einen ersten Richtpreis für Ihre Konfiguration erhalten Sie direkt im Emm!-Konfigurator.

Praxisbeispiel: Hexagon Manufacturing Intelligence in Wetzlar

Hexagon Manufacturing Intelligence ist seit 2021 Kunde von Emm!. Am Standort Wetzlar läuft die Fließfertigung von bis 7 t schweren Koordinatenmessmaschinen auf Emm!-Fahrzeugen. Die Maschinen werden direkt auf den Fahrzeugen montiert und fahren anschließend auf ihnen in den Kalibrierraum.

Das Beispiel zeigt, was ein Schwerlast-FTS leisten kann: Das Fahrzeug ist Transportmittel und Montageplatz zugleich, und die mehrere Tonnen schwere Last muss zwischen den Prozessschritten nicht umgesetzt werden.

In fünf Schritten zum Schwerlast-FTS

  1. Transporte erfassen: Lasten, Strecken, Häufigkeiten und Taktzeiten dokumentieren.
  2. Umgebung prüfen: Boden, Fahrwege, Tore, Übergabestellen und Personenverkehr aufnehmen.
  3. Fahrzeug konfigurieren: Traglast, Abmessungen und Aufbau festlegen – zum Beispiel im Konfigurator.
  4. Konzept abstimmen: Sicherheitskonzept, Ladekonzept und IT-Anbindung gemeinsam mit dem Hersteller ausarbeiten.
  5. Umsetzen und hochfahren: Inbetriebnahme, Schulung der Mitarbeitenden und schrittweiser Ausbau der Flotte.

Fazit: Schwere Lasten sind kein Grund gegen ein FTS

Ein Schwerlast-FTS lohnt sich vor allem dort, wo schwere Lasten regelmäßig dieselben Wege fahren, Krane zum Engpass werden oder Produkte in Fließfertigung von Station zu Station wandern. Entscheidend für den Erfolg sind eine genaue Lastbeschreibung, ein geeigneter Boden, ein durchdachtes Sicherheitskonzept und eine Leitsteuerung, die sich in Ihre IT einfügt. Maßgeschneiderte Fahrzeuge wie EDDY, IGOR und die Sonderfahrzeuge der Baureihe TONI ermöglichen auch dann eine Automatisierung, wenn Standardprodukte an Gewicht, Maßen oder Platzverhältnissen scheitern.

Ihr nächster Schritt

Stellen Sie Ihr Schwerlast-FTS jetzt im Emm!-Konfigurator zusammen und sehen Sie Richtpreis, Lieferzeit und technische Daten. Lieber direkt sprechen? Wählen Sie einen Termin für ein unverbindliches Erstgespräch – gemeinsam mit unseren Ingenieuren klären wir Last, Layout und Budget für Ihren Materialfluss.